Flötenspiel und Seifenblasen

Bericht von Susanne Schwendtke im Magazin der Diakonie Düsseldorf,
Frühjahr 2005
Flötenspiel und Seifenblasen

Clowns besuchen demenzkranke Menschen im Pflegeheim.

Flötenspiel tönt durch die Flure des Elisabeth-Heims in Flingern, bunte Bänder wirbeln durch die Luft, Seifenblasen schweben durch den Raum. Eine fröhliche Atmosphäre herrscht im Diakonie- Pflegeheim, wenn Lora und Christel (Heile-Heile-Clownin FILU) zu Besuch sind. Lora und Christel sind Clowns. Zweimal im Monat kommen sie mit einem Wagen voller Spiel- und Spaßgeräte ins Elisabeth-Heim. Für die Bewohner sind sie inzwischen gute Bekannte.

  Als die beiden schwungvoll den Gemeinschaftsraum der ersten Etage betreten, geht es gleich zur Sache: Die Bunten Bänder wirbeln, weiche Massagebälle rollen über Schultern und Nacken und Clown Lora stimmt auf der Zwiebelflöte ein Lied an: „Zum Tanze, da geht ein Mädel“ hat sich eine der Anwesenden gewünscht, und tatsächlich wagt die Dame, der das Gehen sichtlich schwer fällt, ein behutsames Tänzchen an der Hand eines Clowns.
Fotografie: Gerald Biebersdorf, Düsseldorf  

„Die alten Menschen kennen die Melodien ihrer Jugend noch sehr gut“, weiß Silvia Steiner als Clown Lora, „und es freut sie, die vertrauten Lieder zu hören und mitzusingen. Mit Musik, Tanz und Späßchen helfen wir den Menschen, eine Brücke zu ihren ursprünglichen Empfindungen zu bauen.“

Diese Form der Begegnung erreicht sogar schwer demenzkranke Menschen, die ansonsten kaum an ihrer Umgebung teilhaben können. Um Kranken und Pflegebedürftigen in der Gestalt eines heilenden Clowns zu helfen, genügt es aber nicht, sich ein Narrenkostüm überzustreifen. Silvia Steiner und Christel Basse haben ihr Clownshandwerk gründlich gelernt. Ausgehend von dem amerikanischen Arzt Patch Adams, der in den Siebziger – Jahren begann, seine Patienten mit roter Clownsnase statt im weißen Kittel zu besuchen, um ihnen unmittelbar helfen zu können, hat sich inzwischen so etwas wie eine klassische Ausbildung für Clowns mit therapeutischer Wirkung entwickelt.

Und wenn man erlebt, mit welch ursprünglicher Herzlichkeit die beiden Clowns sich den alten Menschen zuwenden, sieht man, dass es hier nicht um bloßes Spaßmachen geht: Sie halten Bettlägerigen die Hand und sprechen leise mit denen, die selber nicht mehr sprechen können; sie streicheln und nehmen in den Arm, sie hören zu und trösten. „Das A und O bei unseren Begegnungen mit den alten Menschen ist die Berührung. Jeder wird doch gern in den Arm genommen und von einem Clown können die Menschen das viel leichter annehmen als von irgendeinem anderen Fremden“, sagen Silvia Steiner und Christel Basse. „Wir achten allerdings sehr darauf, niemandem unsere Clownerie aufzudrängen. Wenn jemand nicht berührt werden will, dann respektieren wir das selbstverständlich.“

Den meisten gefallen die Berührungen aber wohl – nicht nur den Bewohnern, sondern auch den Mitarbeitern im Elisabeth-Heim. Die Clowns verstehen es, verspannte Schultern zu massieren und Clown Lora freut sich, wenn die Pflegerin sie zum Dank für die Massage fest in den Arm nimmt:“ Die Arbeit hier ist so schwer – ich bewundere das sehr, wenn Leute so etwas schaffen.“

Für zwei Stunden sind die Clowns zu Besuch im Elisabeth-Heim. Das ist nicht lang, und so manchem fällt es schwer, die bunten Gesellen gehen zu lassen. „Na ja, ich kann Sie ja nicht festhalten“, seufzt eine bettlägerige Patientin. „Aber ich komme wieder,“ verspricht der Clown und das wird er tun. In zwei Wochen wird es hier wieder bunt – mit Flötenspiel und Gesang und mit der heilenden Wirkung des Lachens.

SUSANNE SCHWENDTKE



Christel Basse     Heile – Heile – Clown Filu
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